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Die Geschichte der Freimaurerloge Zur Deutschen Burg - Duisburg (NRW)
 
 

Zur Geschichte der Freimaurerloge "Zur Deutschen Burg" in Duisburg (NRW)

Die erste Duisburger Freimaurerloge mit dem Namen "Zur Hoffnung" entstand 1784 im Umfeld der Duisburger Universität. Nachdem der Senat der Universität - er befürchtete ein "negatives Image" für die Stadt und die Universität - gegen die Einrichtung einer Loge protestiert hatte, erteilte der preußische König Friedrich II. hierzu persönlich die Erlaubnis: Die Freimaurer seien eine vom Staat geduldete Gesellschaft, daher müsse sich auch der Senat die Errichtung einer Loge gefallen lassen. Meister vom Stuhl, also der Vorsitzende, wurde der spätere Bürgermeister Leonhard Wintgens. Die Loge "Zur Hoffnung" bestand aber nur wenige Jahre; innere Streitigkeiten führten 1788 zu ihrer Auflösung. 


1786 entstand in Ruhrort eine weitere Loge mit dem Namen "De twee getallen" (niederländisch, "Zu den zwei Zahlen"). Offiziell hatte sie ihren Sitz in Venlo, da sie der niederländischen Großloge angehörte, wie auch andere niederrheinische Logen zu dieser Zeit, etwa die Loge von Emmerich. 1787 verlegte "De twee getallen" ihre Zusammenkünfte in das Haus von Peter Noot in Ruhrort. Der Loge gehörten Ruhrorter und niederländische Kaufleute sowie preußische Beamte aus Duisburg und Ruhrort an. Sie zählte zwischenzeitlich über vierzig Mitglieder, was auf ein reges freimaurerisches Leben in jenen Jahren schließen lässt. Mit dem Beginn des 1. Koalitionskrieges gegen das revolutionäre Frankreich (1792) stellte sie aber ihre Tätigkeit ein. Eine dauerhafte Neubegründung der Freimaurerei in Duisburg erfolgte erst wieder 1820 mit der Loge "Zur Deutschen Burg". Sie gehörte der Berliner Großloge "Zu den drei Weltkugeln" an.

Die Mitglieder der hiesigen Logen entstammten der führenden Duisburger Oberschicht. Da manche von ihnen auch Ratsmitglieder waren, hatte die Loge einen nicht unerheblichen Einfluss auf die Stadtpolitik. Männer wie Carl Böninger, Johann Jakob vom Rath d.J., Johann Wilhelm Davidis oder Friedrich Carstanjen waren, überwiegend als Fabrikanten und Großkaufleute, maßgeblich am wirtschaftlichen Aufschwung Duisburgs im 19. Jahrhundert beteiligt. Sie gründeten und leiteten Seifensiedereien, Zuckerraffinerien, Tabakfabriken, Tuch- und Seidenmanufakturen und waren als Unternehmer sehr erfolgreich. Aus diesem Kreis erwuchs auch die Initiative zur Gründung der Duisburger Handelskammer im Jahre 1831. Sogar im Presbyterium der beiden evangelischen Gemeinden oder im Gemeinderat der katholischen Gemeinde waren Freimaurer vertreten. 

Die zweite Hälfte des 19. Jh. brachte einen allgemeinen Aufschwung der Freimaurerei, der sich in steigenden Mitgliederzahlen, Logenneugründungen und repräsentativen Logengebäuden ausdrückte. Hierin spiegelte sich ohne Zweifel der gleichzeitige Aufschwung der bürgerlichen Schichten wieder, aus denen sich die Logen überwiegend zusammensetzten. Auch korrespondierten die liberalen Strömungen des Bürgertums teilweise mit der freimaurerischen "Lehre" und verschafften den Logen weiteren Zulauf. In den Logen dominierte weiterhin das finanzkräftige Bürgertum. Die Logengebäude wurden zu Orten bürgerlicher Festkultur.

Johann J. vom Rath


Die Bedeutung und der gewachsene Wohlstand der Freimaurer in diesen Jahren lässt sich auch an der Entwicklung der Duisburger Loge "Zur Deutschen Burg" ablesen. Die Mitgliederzahlen stiegen seit der Jahrhundertmitte stetig an. Schon 1841 war das aus eigenen Mitteln errichtete Logenhaus am Kuhlenwall bezogen worden, das bis zur Auflösung der Loge durch die Nationalsozialisten Mittelpunkt des freimaurerischen Lebens in Duisburg war. Mit der Zeit erwarb man den zum Haus gehörenden Garten, es entstanden ein großer Weinkeller, ein Tanzparkett, eine umfangreiche Bibliothek und eine Kegelbahn. 1914 erhielt das Logenhaus elektrisches Licht. Zu den Festivitäten - etwa dem traditionellen Johannisfest - kamen häufig die Mitglieder befreundeter Logen aus der Umgebung.   
Unter dem Dach des Duisburger Logenhauses trafen sich noch weitere Freimaurergruppen, so die 1912 gegründete Loge "Mercator zum Zirkel" und die aus Mühlheim/Ruhr stammende Loge "Zum aufgehenden Licht im Westen." Beide Logen wurden nach der Nazizeit nicht mehr reaktiviert.
Auch die Duisburger Gesellschaft "Casino" - eine Art Vereinigung Duisburger Honoratioren - nutzte viele Jahre die Gesellschaftsräume im Haus am Kuhlenwall.

Durch praktische Hilfe bemühten sich die Logen auch weiterhin um eine Verbesserung der sozialen Verhältnisse.

Schwerpunkte blieben hierbei das Schul- und Ausbildungswesen und die Armen- und Krankenfürsorge. Mit der Zuspitzung der sozialen Probleme im Zuge der Industrialisierung verstärkten die Freimaurer ihr Engagement.
Die Duisburger Loge "Zur Deutschen Burg" unterstützte weiterhin die von ihr gegründete Sonntagsschule, die jetzt "Handwerker-Fortbildungsschule" hieß. Gemeinsam mit anderen Logen der Region (Bochum, Essen, Emmerich, Wesel, und Mülheim), dem sogenannten "Engeren Logenverband", wurden seit den 1870er Jahren Stipendien zur Ausbildung in wissenschaftlichen und gewerblichen Berufen vergeben.

Auch die Einrichtung der Duisburger Knabenmittelschule im Jahre 1869 - der ersten im preußischen Westen - wurde von einem Mitglied der Loge, Wilhelm Armstroff, initiiert. Im Mai 1900 trat die "Deutsche Burg" schließlich dem in Düsseldorf durch 28 Ortslogen gegründeten und getragenen Verein "Kinderfürsorge" bei. Dazu kamen außerordentliche Spendensammlungen, so etwa 1883 für die Opfer des Rheinhochwassers.
Das vorläufige Ende der Freimaurerei in Deutschland begann Anfang 1935. Die Logen wurden aufgefordert, sich selbst aufzulösen. Prominente Maurer kamen in Haft, wobei die Nazis keinen Unterschied zwischen den "liberalen" und "nationalen" Logen machten. Gebäude und Grundstücke wurden beschlagnahmt.
Die deutsche Freimaurerei musste einen immensen Verlust an Sachwerten, Archivalien, alten Bibliotheken und Ritualgegenständen beklagen. Im Juni 1935, unter dem Druck der Gestapo, lösten sich schließlich auch die preußischen Großlogen selbst auf. Damit kam auch das Ende für die Duisburger Loge "Zur Deutschen Burg", die zum Schluss lediglich 13 Mitglieder zählte. Grundstück und Gebäude am Kuhlenwall wurden weit unter ihrem Wert - zwangsverkauft. 1936 wurde das Logenhaus abgerissen. Schon bald nach dem Ende von Krieg und Nazidiktatur fanden sich die in Duisburg verbliebenen Freimaurer wieder zusammen.

Mitte 1946 wurde die Loge unter dem Namen "Zur Dreitürme Burg" wiedererrichtet. Eine "Deutsche Burg" war der britischen Militärregierung zu diesem Zeitpunkt noch suspekt gewesen. Erst im Juni 1948 konnte die Loge wieder ihren alten Namen annehmen.
Bis 1950 trafen sich die Duisburger Freimaurer in einem Bürogebäude am Schinkelplatz. Dann erhielt die Loge als Entschädigung für die Zwangsliquidation der Jahre 1935/36 ein Haus an der Mülheimer Straße. 1965 wurde dann das neuerrichtete Logenhaus an der Königsberger Allee bezogen, das bis heute das Domizil der "Deutschen Burg" ist.
In ihrem sozialen Engagement knüpfte die Loge an ihre früheren Aktivitäten an. Das heutige Friedrich-Albert-Lange-Berufskolleg wurde und wird weiterhin durch die Loge unterstützt, hinzu kommen Förderpreise für Schüler der Niederrheinischen Musikschule und das 1969 begründete gemeinnützige Hilfswerk "Humanitas".