Achtung, dieser Vortrag ist die Meinung des Referenten, der Inhalt muss nicht die Meinung aller Mitglieder der Loge zur Deutschen Burg wiederspiegeln! 
... Menschlichkeit, Toleranz und Brüderlichkeit sind die wesentlichen Inhalte aller freimaurerischen Arbeit, gleichgültig, ob sie innerhalb der Loge, im Rahmen des gemeinsamen karitativen Wirkens der Bruderschaft oder im persönlichen Umfeld des einzelnen Freimaurers stattfindet.
Was den Menschen vor allen anderen Geschöpfen auszeichnet, hat Goethe einmal so formuliert: "... nur der Mensch unterscheidet, wählet und richtet...". Anders ausgedrückt: nur der Mensch hat die Wahl zwischen Gut und Böse, richtig und falsch.
Menschsein in diesem Sinne bedingt Freiheit. Der in seinen Entscheidungen freie und im Sinne der Aufklärung mündige Mensch handelt auf der Grundlage eines sittlich-ethischen Wertemaßstabs, er übernimmt Verantwortung nicht nur für sein eigenes Tun, sondern auch für sein Umfeld, die Welt, in der er lebt. Menschlichkeit bedeutet für den Freimaurer somit vor allem, "Mensch zu werden", daß heißt die eigenen Fähigkeiten ebenso wie die eigenen Schwächen zu erkennen, in einem fortwährenden Prozeß an sich zu arbeiten und im Bewußtsein dessen, was Recht und was Unrecht ist, für diese Gesellschaft einzustehen.
Neben dem Streben nach wahrem Menschsein steht die Forderung der Freimaurerei nach Toleranz. Das bedeutet die Anerkennung des anderen in seinem Anderssein, also die Achtung verschiedener Herkunft, Religionen, Nationalitäten und der daraus folgenden kulturellen Unterschiede, Lebensweisen und Eigenarten. Wesentlicher Bestandteil des freimaurerischen Selbstverständnisses ist es, Trennendes zu überwinden und das allen Menschen Gemeinsame zu erkennen.
Über die Toleranz, aber auch über ihre Grenzen sagte Friedrich II.: "...die Toleranz muß in jedem Staate jedem Freiheit geben, alles zu glauben was er will, aber sich nicht so weit erstrecken, daß sie die Frechheit [jener] Leute autorisiert, die dem Hohn sprechen, was das Volk verehrt...". Toleranz ( auch und insbesondere die freimaurerische ( findet somit dort ihre eindeutige Grenze, wo Einzelne oder Gruppen die sittlich-ethischen Grundlagen der menschlichen Gemeinschaft verlassen und durch ihre Ã"ußerungen oder Taten die Freiheit und die verbürgten Rechte ihrer Mitmenschen verletzen.
Brüderlichkeit schließlich ist die angestrebte Folge des zuvor zu Menschlichkeit und Toleranz Gesagten. Wer bei seinen Mitmenschen nicht das Trennende sucht, sondern das Gemeinsame erkennt, wer Unterschiede der Meinungen, Religionen und Lebensweisen als die Facetten unserer menschlichen Gesellschaft begreift, die gerade den Reichtum und die Chance unseres Gemeinwesens darstellen, der wird in seinem Mitmenschen nicht den Fremden oder Gegner sehen, sondern seinen Bruder. Das Gemeinsame zu erkennen und das Trennende zu überwinden, um ein geistiges Bauwerk der Humanität nicht nur in der kleinen Gemeinschaft der Loge, sondern in der menschlichen Gesellschaft zu errichten, ist die vornehmste Aufgabe der Freimaurerei...
(Auszug aus einer Festrede am 19.11.2000 anläßlich der Vergabe von Förderpreisen an Schülerinnen und Schüler zweier Duisburger Schulen durch HUMANITAS, das Hilfswerk der Freimaurerloge "Zur Deutschen Burg")
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